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| Mentally Ill Roadside Destitutes - Psychisch krank auf Indiens Straßen |
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| Geschrieben von Annika Strauss | |
| Freitag, 25. Dezember 2009 | |
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Seite 1 von 4 Die Ausstellung „Psychisch krank auf Indiens Straßen “ (siehe News), könnt ihr nun auch in digitaler Form auf Ethmundo anschauen. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung die Orientierung und den Kontakt zu ihren Familien verloren haben und ein Leben auf der Straße führen müssen. Die Shraddha Rehabilitation Foundation nimmt sich dieser Menschen an, bietet ihnen eine kostenlose Therapie und bringt sie zurück in ihre Familien. Weitere Informationen zum Zustandekommen der Ausstellung, zu Möglichkeiten der Unterstützung der Arbeit der Nichtregierungsorganisation und einen kurzen Film über die Arbeit Shraddhas findet ihr hier .
![]() Sanay, einer der Patienten von Shraddha, bevor er in der Organisation aufgenommen wurde. (Fotos, wenn kein anderer Name genannt: Shraddha) Rund 50 Millionen Inder (etwa 5 Prozent der Bevölkerung) sind von einer psychischen Erkrankung betroffen. 80 Prozent der Verwaltungsbezirke in den 28 Bundesstaaten sind jedoch ohne einen einzigen Psychiater, so dass ein Verhältnis von einem einzigen Psychiater auf 1.000.000 Menschen besteht. Daher herrscht eine beständige psychiatrische Unterversorgung der Bevölkerung, auch weil die Regierung nur ein Prozent des Haushaltsbudgets für psychiatrische Einrichtungen ausgibt. Staatlich psychiatrische Krankenhäuser, die in der britischen Kolonialzeit errichtet wurden, existieren nur in städtischen Regionen wie Mumbai oder Chennai. Diese sind jedoch häufig in einem schlechtem Zustand und von Unterversorgung gekennzeichnet. Eine Behandlung in den besseren, privaten Krankenhäusern kann sich nur die obere Mittel- und die reiche Oberschicht leisten. Patienten, wie auch ihre Familien, sehen sich häufig mit Stigmatisierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert.
![]() Shraddha liegt in einem kleinen Ort in der Nähe von Mumbai. (Abbildung: Wikipedia) Ein besonderes Schicksal erleiden Patienten, die im Zuge ihrer Erkrankung, getrennt von ihren Familien und ohne entsprechende medizinische Behandlung auf der Straße leben. Psychotische Störungen sind meist der Auslöser dafür, dass sie den Bezug zur Realität und den Kontakt zur Gesellschaft verloren haben. Sie stellen allerdings nur eine Gruppe vieler da, die aus den verschiedensten Gründen mittellos auf Indiens Straßen leben. Psychisch Kranke erleben jedoch - häufig auch bedingt durch ihr oft auffälliges, unsoziales Verhalten und ihr ungepflegtes Äußeres - eine besonders ausgeprägte gesellschaftliche Ächtung. Auf Grund der durch die psychische Krankheit ausgelösten Orientierungslosigkeit haben sie oft besondere Schwierigkeiten auf der Straße zu (über)leben und kaum eine Chance ohne fremde Hilfe in ihre Familien zurückzukehren.
Diesen Menschen eine helfende Hand reichen......will Shraddha Rehabilitation Foundation. Shraddha ist eine Nichtregierungsorganisation (NRO), die sich der Rehabilitation von psychisch Kranken verschrieben hat, die auf Indiens Straßen leben. Die Patienten werden von Mitarbeitern der Organisation selbst oder von Freiwilligen zur psychiatrischen Behandlung in die Einrichtung gebracht, die etwa 100 km von Mumbai (Bundesstaat Maharashtra) entfernt in einer ländlichen Gegend liegt. Hier werden sie medikamentös und mittels Beschäftigungstherapie behandelt und auf eine Rückkehr in ihre Familien vorbereitet. „Shraddha" ist übrigens ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet übersetzt in etwa Glaube und Vertrauen. Die folgenden Portraits zeigen Menschen, denen Shraddha bereits helfen konnte: Sanjay aus Orissa, Santosh aus Tamil Nadu, Sushila aus Maharashtra und Sunil ebenfalls aus Maharashtra. Ein Bild zeigt jeweils die Verfassung, in der man sie auf der Straße fand. Ein Zweites zeigt die Patienten nach der Behandlung in Shraddha, als sie zu ihren Familien zurückkehrten. (Um die Bilder in der Diashow anzusehen einfach daraufklicken und in der rechten oberen Ecke zum jeweils nächsten weiterklicken.)
Geschichte der OrganisationDer Grundstein Shraddhas wurde gelegt, als Psychiater Dr. Bharat Vatwani eines Tages nicht mehr an einem der mittellosen und verwahrlosten Patienten auf der Straße vorbeigehen konnte und diesem ein Bett in seiner Privatklinik in Mumbai zuwies. Das war 1988. Dr. Vatwani setzte das Projekt daraufhin in einer 2-Zimmer-Wohnung mitten in Mumbai fort, wo lediglich eine handvoll Patienten zeitgleich aufgenommen werden konnte.
![]() Im Emblem der Organisation sind die Symbole der verschiedenen Religionen vereint. Eine etwas größere Räumlichkeit konnte 1997 eingerichtet werden. Finanziert wurde das Projekt durch die Einnahmen aus einer Ausstellung bekannter Künstler, sowie mit privaten Spendengeldern. Die Organisation war damals mit 20 Betten ausgestattet und fand auch das erste Mal die Anerkennung der indischen Regierung (Registrierung unter dem „Foreign Contribution Regulation Act" (FCRA)). Die Bewohner des Stadtteils, in der die damalige Einrichtung lag, protestierten jedoch gegen die Organisation und reichten eine Klage wegen der Aufnahme von „roadside, psychiatrically disturbing elements" (obdachloser, psychisch gestörter Elemente) ein, die einen schlechten Einfluss auf die ansässigen Familien hätten. Der Mumbai High Court sprach jedoch ein Urteil im Sinne der Hilfsbedürftigen: „The mentally–ill, roadside destitutes are as much entitled to medical help as any physically indisposed person" (Mittellose, psychisch kranke Obdachlose haben ein ebensolches Recht auf medizinische Hilfe, wie jede körperlich kranke Person).
![]() Meditationspavillion Schließlich wurde im Jahr 2006 in einem ländlichen Vorort Mumbais das Rehabilitations Center errichtet, in dem 50 Patienten gleichzeitig Unterkunft und eine medizinische Versorgung gewährt werden kann. Finanziert wurde der Bau der Anlage durch auf Benefizveranstaltungen gesammelte Geldspenden und durch private und Sach- und Geldspenden von verschiedenen Unternehmen. Über 1250 Patienten (Stand September 2008) konnten bisher von Shraddha aufgenommen, behandelt, rehabilitiert und zurück in ihre Familien begleitet werden. Die Organisation verfügt über eigene Landflächen, auf denen - mit Hilfe der Patienten - Reis und Gemüse angebaut wird. Es gibt Kühe, Hühner, Gänse und einen Teich mit Fischen. Außerdem gibt es einen Meditationspavillion, in dem die Götterstatuen aller größeren in Indien beheimateten Religionen vereinigt sind.
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