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Nigel Barley: Traumatische Tropen - Notizen aus meiner Lehmhütte PDF Drucken
Bücher
Geschrieben von Annika Strauss   
Montag, 30. Oktober 2006

Ein Muss für all jene, die einmal vorhaben auszuziehen, um Ethnologie zu betreiben!

Vorspiel

Nicht, dass unsere eigene Gesellschaft nicht schon merkwürdig und schwer verständlich genug wäre. Einige müssen sich tatsächlich noch aufmachen und versuchen Menschen aus anderen Gesellschaften zu „erforschen“, die doch offensichtlich noch viel merkwürdiger und schwerer zu verstehen sind als wir. Der zu diesem Menschentypus gehörende Student der Ethnologie ist sich durchaus bewusst, dass er so riskiert, auf sehr harten Unterlagen schlafen zu müssen, gewöhnungsbedürftigen kulinarischen Gewohnheiten zu frönen und sich eine neue Verwandtschaft zulegen zu lassen. Dazu gilt es meist noch, mit ungewohnten klimatischen Bedingungen fertig zu werden. Und ja, war da nicht ein Kommilitone, der von seiner ersten Exkursion zurück ist und neuerdings große Ziernarben auf dem rechten Oberarm trägt?

Wie das Buch mich fand

BuchcoverTrotz diesen für den normalen Menschen doch recht bescheidenen Aussichten soll es doch den ein oder anderen Studenten der Ethnologie geradezu danach dürsten, endlich selbst „ins Feld“ zu kommen. Mich eingeschlossen. Mein Freund sorgte sich schon immer bei dem Gedanken, ich würde irgendwann einmal auf Papua Guinea herumkriechen, um geheimnisvolle – und vielleicht gefährliche! – Rituale zu untersuchen. Wohl auch ein wenig deshalb bekam ich zu meinem letzten Geburtstag einen ethnografischen Roman aus den 80ern geschenkt, in dem der junge Ethnologe Nigel Barley die traumatischen Eindrücken seiner ersten Feldforschung für Interessierte revue passieren lässt. Vielleicht hoffte mein Gönner, ich würde mich von den Schilderungen eines „Fachkollegen“ eher bekehren lassen als von irgendwelchen Bedenken, die ein vermeintlicher Laie äußert. "Traumatische Tropen" verkündete mir reißerisch der Buchdeckel. Diese Anspielung auf jenen erfolgreichen Titel des Werks „Traurige Tropen“ von Lévi-Strauss aus den 50ern, hat damals wohl ein kreativ-innovativer Übersetzer aus Vermarktungsgründen ersonnen. Um jeglichen Populismus zu vermeiden, und weil der englische Titel einfach besser ist, sei er an dieser Stelle zusätzlich erwähnt und in den Vordergrund gerückt: „The innocent Anthropologist“.

The innocent Anthropologist

Schon einige Jahre lehrt Barley an einem "mittelmäßigem Institut", als er eine Veränderung als "vielleicht doch angebracht" erkennt. "Warum machst du dann nicht Feldforschung?" Diese Frage von einem Kollegen ist der Beginn einer Schilderung über die (Un)vereinbarkeit von Felddaten und Wissenschaft, von zu lustigen und nicht-so-lustigen Missverständnissen führenden Sprachschwierigkeiten, einer manchmal unüberwindbar wirkenden afrikanischen Bürokratie und tödlichen Krankheiten, die einen kontinuierlich auf dem afrikanischen Kontinent zu bedrohen scheinen. Obwohl er schon im Vorhinein solcherlei Unannehmlichkeiten erahnt, da die aus dem Feld zurückgekehrten Kollegen an seinem Institut doch recht häufig durch sonderbares Verhalten auffallen, erhofft er sich "durch die Feldforschungserfahrungen doch etwas zu gewinnen". Eine Abwechslung zum universitären Lehrbetrieb und dem akademischem Leben im Allgemeinen böte sie allemal.

"Und dann war da auch noch, nicht zu vergessen, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen (...), daß die Feldforschung irgendeine immense Bereicherung für das menschliche Wissen erbrachte."

Am Ende sind es wohl eher Lebensweisheiten und Selbsterfahrungen als wissenschaftliche Erkenntnisse, die Barley in Notizbüchern von „seinen Dawayos“ aus Nordkamerun mit nach England zurückbringt. Zumindest will sich ihr Inhalt so gar nicht „zu dem verdichten lassen, was ethnologische Wissenschaft sein soll.“ Also schreibt er statt dessen jenen Roman.



 

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